Arnd Zickgraf

Coaching & Beratung

Aktuelles
Inspiriert durch Sinnfragen

Umbruchzeiten als Stresstest für die Schulen


Die Gesundheit von Lehrkräften wird durch sehr hohe Belastungen infolge internationaler Konflikte und Krisen einem beispiellosen Stresstest unterzogen.

Wir leben in einer Umbruchzeit: Der Krieg Russlands gegen die Ukraine ist ein Bruch des Völkerrechts und zugleich ein Bruch mit der internationalen Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Auswirkungen des Ukrainekriegs und der Pandemie bekommen inzwischen Lehrkräfte und Schüler zu spüren. „Schule ist ein Spiegel der Gesellschaft und Lehrkräfte erleben derartige Entwicklungen an vorderster Front“, sagt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) am 27. April 2022.

Die Rahmenbedingungen, um in Schule zu arbeiten, sind derzeit denkbar ungünstig. Der neueste Artikel für den Klett-Themendienst zeigt, wie sich gesellschaftspolitische Spannungen im Schulleben manifestieren, warum Bund, Länder und Kommunen nun enger kooperieren müssten und wie Entlastung für die Schulen möglich ist.

https://www.klett.de/sixcms/detail.php?id=1141851

Stand: 06.05.2022

60-Jährigen in Krisenzeiten eine Brücke gebaut


Viele Beschäftigte im Alter von 60 Jahren plus unterschätzen die Herausforderungen, die beim Übergang vom Berufsleben in die Rente warten. Insbesondere in Krisenzeiten kann eine professionelle Begleitung den Übergang in die dritte Lebensphase stabilisieren.

In stürmischen Zeiten habe ich zwanzig Beschäftigte im Alter zwischen 60 und 65 Jahren mit sinnorientierten Themen in die dritte Lebensphase begleitet. Das Jahr 2021 stand im Zeichen der Pandemie und der Flutkatastrophe im Ahrtal und im Rhein-Erft-Kreis. Die Reflexion des eigenen Lebens im Lichte von sinnorientierten Fragen sollte zu mehr Orientierung, Klahrheit und Wirgefühl in Zeiten der Ungewissheit führen. Die Beschäftigten kamen aus der Medienbranche, der Kunststoffindustrie, der Automobilzuliefererindustrie und der Tourismusindustrie sind in eine Transfergesellschaft übergegangen, um sich auf die dritte Lebensphase vorzubereiten. Sie waren jahrzehntelang beschäftigt als Redakteure, Ingenieure, Werkzeugmacher, Schlosser oder Industriekaufleute. Die Beriebe hatten sich von ihnen getrennt, weil sie mit der Kündigung Kosten sparen und jüngere, weniger teure Mitarbeiter einstellen wollten.

Den Übergang vom Beruf in die dritte Lebensphase habe ich begleitet mit Workshops zu Sinnthemen, die einmal im Monat angeboten wurden. Themen der Workshops waren etwa: "Umgang mit Zeit", „Lebensrückblick“, „Vom Sinn des Lebens zum Lebenssinn“, „Resilienz“, „Biologisches Alter und gesunder Lebensstil“ oder "Erfülltes Leben“. Nach jedem Workshop hatten alle Mitarbeiter die Gelegenheit, das Workshopthema des Monats im Einzelcoaching zu vertiefen. Aufgrund der Pandemie habe ich die Workshops und Einzelcoachings über Videokonferenz durchgeführt. Die Verbindung über das Internet hat gleichwohl ein ausgeprägtes Wirgefühl zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Workshops möglich gemacht.

Stand: 01.01.2022

„Wir wollen raus!“


In einer Zeit des Umbruchs sind auch Jugendliche immer mehr mit existenziellen Fragen des Lebens konfrontiert. Zwar sollen Schulen einen besonderen Schutzraum gegenüber den Härten des Lebens bieten. Doch Flutwellen enden nicht vor dem Schulhof. 

Infolge der Flutkatastrophe am 14. Juli 2021 sind auch zahlreiche Schulen „abgesoffen“. Allein in Rheinland-Pfalz sind 14 Schulen besonders schwer betroffen, an denen rund 7.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden. Nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen tun betroffene Schulen alles, um wieder zu funktionieren. Gefragt sind existenzielle Überlebensfähigkeiten bei Lehrkräften, wie Akzeptanz der Situation und die Fähigkeit zur Improvisation.

Nach der vierten Corona-Welle und der Flutkatastrophe lautet der Wunsch: „Wir wollen raus!“ Schülerinnen und Schüler wünschen sich mehr praktische Erfahrungen an außerschulischen Lernorten, so Bildungsexperten. Genauso wie in Rheinland-Pfalz gibt es Schülerinnen und Schüler, die in der Flutnacht viel verloren haben. Der Klimawandel ist konkreter geworden. Jugendliche merken, dass es Extremwetter sich nicht nur Indien oder USA gibt, sondern auch in Europa. Sinnquellen, wie Naturverbundenheit und soziales Engagement werden für viele Menschen wieder wichtiger. Die Solidarität im Ahrtal und im Erftkreis hat viele Betroffene überrascht. 

Bildung für nachhaltige Entwicklung: „Momentan geht es ums Überleben“

Stand: 15.12.2021

Sinn durch soziales Engagement


Als die Berufsbildende Schule Bad Dürkheim 2018 ihr Europaprojekt mit einer polnischen Partnerschule startete, konnte niemand ahnen, dass es über die Schulbildung hinausweisen und vor der Ansteckung durch Corona schützen würde.

Eigentlich sollten sich die Schülerinnen und Schüler in dem Europaprojekt nur mit der Fertigungsmethode des 3D-Drucks beschäftigen. Der 3D-Druck steht in der höheren Berufsfachschule als zusätzliches Fertigungsverfahren auf dem Lehrplan. Doch überraschend schnell sollte das schulische Know-how zum 3D-Druck in der Stadt Bad Dürkheim zur Bekämpfung der Pandemie gefragt sein.

"Ich war persönlich betroffen, weil meine Schwiegergroßmutter im Altenpflegeheim ist und es dort weder Handschuhe noch Schutzmasken gab, um das Coronavirus aufzuhalten", sagt Stephan Meininger, Lehrer der Berufsbildenden Schule in Bad Dürkheim. Die Nachfrage nach den Gesichtsschutzmasken war enorm.

Die Lehrkräfte der BBS Bad Dürkheim beschafften sich 3D-Drucker und ließen sie in der Schule nachts durchlaufen. Während der Osterferien war Stephan Meininger mit seinen Kollegen komplett in der Schule und hat Gesichtsschutze auch am Wochenende produziert. "Wir sind auf etliche Hundert Stunden gekommen, die wir zusätzlich hier verbracht haben", so Meininger.

Unterrichtsmaterial vorzubereiten, ist Alltagsgeschäft. „Aber die Zeit, die wir dabei geholfen haben, Plastikteile für Gesichtsschutze zu drucken, haben wir als eine andere Art von Anstrengung erlebt. Es war ein ganz anderes Gefühl", so die Koordinatorin des Europaprojektes, Birgit Krauß. Das soziale Engagement hat ungeahnte Kräfte bei den Lehrkräften freigesetzt.

Austausch bildet

Stand: 6.7.2021

Pandemiezeit zur Selbstfindung nutzen


Menschen mit hohem Lebenssinn und einer Portion Selbstbeherrschung sind besser gegen Corona-Stress geschützt. Dabei fördert die Auseinandersetzung mit dem Selbst das innerliche Wachstum. Das zeigt eine Studie der Universität Innsbruck im Zusammenhang mit der Pandemie. 

Der erstaunlichste Befund im Hinblick auf demografische Merkmale war, dass ältere Menschen ab 60 Jahren weniger stark unter Corona litten. Obwohl gerade diese eher mit einem kritischen Verlauf bei einer Ansteckung rechnen müssen, zeigte sich diese Altersgruppe am wenigsten gestresst durch die Situation. Verheiratete oder in Partnerschaft lebende Menschen kamen besser mit der Belastung zurecht als Alleinlebende. Menschen, die alleine lebten, die nur in einem Zimmer, statt in einem Haus oder einer Wohnung lebten oder die arbeitslos durch Corona wurden, litten besonders unter der Pandemie.

Die Sinnforscher Tatjana Schnell und Henning Krampe untersuchten, in welchem Zusammenhang Corona und die getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie mit unserem psychischen Wohlbefinden standen. Dabei haben die Forscherinnen und Forscher auch analysiert, was Menschen half, in dieser schwierigen Zeit psychisch gesund zu bleiben. An der Studie nahmen über 1500 Deutsche und Österreicher während des Lockdowns im Frühjahr 2020 und in den direkt anschließenden Wochen teil.

Die Studie konnte zeigen: Menschen mit einem hohen Lebenssinn und / oder mit einer hohen Selbstbeherrschung sind nicht nur generell robuster gegenüber Krisen als andere Menschen, sie haben auch die aktuelle Pandemie besser verkraftet. Neben diesem Befund wies die Studie außerdem einen anderen wichtigen Zusammenhang auf: Ein hoher Corona-Stress ging mit Sinnkrisen einher. Sinnkrisen wiederum beeinträchtigten die psychische Gesundheit. Dieser Zusammenhang war jedoch weniger schlimm, wenn diese Menschen ihre Selbstbeherrschung aufrechterhalten konnten. Wenn wir unser Verhalten und unsere Bedürfnisse unter Kontrolle haben, können also auch außergewöhnliche Krisen uns nicht so leicht aus der Bahn werfen.

Vor dem Hintergrund der Pandemie empfehlen die Psychologen: Nutzen Sie die Zeit, um sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. In der Krise haben wir die Chance, uns zu hinterfragen, zu wachsen und wichtige Weichen in unserem Leben neu auszurichten. Sinnkrisen sind nichts, dass automatisch durch eine Krise hervorgerufen wird; die Krise kann uns aber den Raum dafür öffnen, schonungslos hinzuschauen. Dabei zeigt die Sinnforschung, dass ein Absehen vom Selbst besonders heilsam sein kann. Wenn wir uns diesem Prozess aber verschließen, können wir an der Krise verzweifeln und psychisch schwer erkranken.

Stand: 26.3.2021

 

 

 

Ankommen – Sinn finden